Ein kurzer Gruss aus dem Land, wo man sich Kaese auf die Pommes und Salz ins Bier streut und wo die Leute meinen, sie wuerden franzoesisch sprechen: Quebec.
Naechste Woche geht’s dann wieder an die Arbeit.
29. August 2010
24. August 2010
Viele Menschen zoegern fuer Pakistan zu spenden, da sie befuerchten, ihre Gelder koennten in die falschen Haende gelangen. Will heissen, sie wollen mit ihren Spenden nicht einer islamistischen Agenda unter die Arme greifen. Dass es dazu keiner Taliban bedarf, sondern dass selbst deutsche Hilfsorganisationen sich aus falsch verstandener „Ruecksicht auf religioese Gefuehle“ ueber grundlegende Menchenrechte hinwegsetzen, kann man in diesem Interview nachlesen.
Eine grosse medizinische Hilfsorganisation verkuendet da voll Stolz, Frauen nicht zu behandeln, wenn der Ehemann nicht einverstanden sein sollte. Soviel Respekt haben sie vor Religion und Kultur. Nur der Respekt fuer Frauen und deren Rechte scheint dabei irgendwo auf der Strecke geblieben zu sein…
13. August 2010
27. Juli 2010
Seit heute arbeitet Gerda bei uns im Team. Eine waschechte Haitianerin, genauso wie Fritz, unser Fahrer, und Wilfried, einer der Nachtwaechter. Ich habe mir sagen lassen, dass es bis 1916 hier in Petit-Goave eine groessere deutsche Einwohnerschaft gegeben habe, die dann aber wohl von den Englaendern verjagt wurde. Und alles, was heute noch davon zu bemerken ist, sind eben diese haeufiger vorkommenden deutschen Vornamen. Und die sind dann auch so deutsch – so heisst in Deutschland schon keiner mehr.
Es ist aber schon ein wenig gewoehnungsbeduerftig. Bei „Gerda“ habe ich immer noch ein Bild einer staemmigen deutschen Hausfrau in Kittelschuerze, von mindestens fuenfzig Jahren im Kopf. Ein Bild, dem „unsere“ Gerda nun so ueberhaupt gar nicht entspricht…
8. Juli 2010
Bundestagsabgeordenete der „Linken“ setzen sich mit Islamisten in ein Boot um die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen und so den Weg fuer kuenftige Waffenlieferungen an die Hamas frei zu machen. Dann bringt die „Linke“ im Bundestag einen Antrag ein, in dem die Moechtegern-Maertyrer als Friedensaktivisten bezeichnet werden und Israel aufgefordert die Blockade zu beenden. Eine vollstaendige und alleinige Schuldzuweisung an Israel, verbunden mit den ueblichen Vorwuerfen, Israel wuerde Beschluesse des UN-Sicherheitsrats ignorieren und gegen das Voelkerrecht verstossen (was nebenbei eine profunde Unkenntnis sowohl der Beschluesse des Sicherheitsrats als auch des Voelkerrechts belegt), die darin Gipfelt, dass die einzige Erwaehnung der Hamas und deren Rolle und Verantwortung fuer die Zustaende in Gaza darin besteht, zu behaupten, dass der fortgesetzte Raketenbeschuss auf Israel ja wohl keine Begruendung fuer eine Blockade sein koenne.
Dieser Antrag wurde von allen anderen Fraktionen abgelehnt. Ein wesentlich ausgewogenerer Antrag, der zwar auch in einzelnen Punkten ueber das Ziel hinausschiesst (z.B. mit der Forderung nach bedingungsloser Aufhebung der Seeblockade) aber im Ganzen doch auch die Rolle der Hamas und die zwielichtige Gesellschaft an Bord der Flottille erwaehnt, fand dann letztlich auch die Zustimmung der Linksfraktion. Wie weit mussten die sich verbiegen, um einem Antrag zuzustimmen, der eben auch das Ende des Rakenbeschusses, die Freilassung von Ghilad Shalit und die Anerkennung des Existenzrechts Israels durch die Hamas beinhaltet und nebenbei auch noch korrekt feststellt, dass in Gaza kein Mangel an Grundnahrungsmitteln und grundlegender medizinischer Versorgung herrscht?
Dass die „Linke“ sich einerseits mit den Feinden der Aufklaerung von Hamas und Hizbollah gemein macht und andererseits in Deutschland, wo sie mitregieren darf, Sozialkuerzungen und andere Schweinereien mittraegt, macht sie zu einer Partei, der Alles und Nichts zuzutrauen ist. Sind das die Erben von Rosa Luxemburg? Oder doch eher von Juergen Moellemann? Den Namen „Linke“ jedenfalls, sollte man ihnen mit Unterlassungserklaerung bei Strafandrohung entziehen. Und ich Naivling hatte in die mal Hoffnungen gesetzt…
Ach haette doch jemand den Schluessel ins Mittelmeer geschmissen. Dann waeren uns jetzt zumindest Groth und Hoeger im Bundestag erspart geblieben…
5. Juli 2010
Die Hauptstadt des Landes „der Bekloppten und Bescheuerten“ (D. Wischmeyer) hatte es ja schon in den vergangenen Wochen immer wieder geschafft, mit Vertretern ebendieser Spezies in die Schlagzeilen zu kommen: Erst gewinnt Lena den Euro-Tralala-Contest, dann Wulff bei „Deutschland sucht den Super-Praesi“ und zwischendurch beschmeissen Jugendliche eine juedische Tanzgruppe mit Steinen.
Und jetzt erschiesst ein voellig Irrer zwei Italiener weil er nicht zaehlen kann.
Den naechsten Absacker dann vielleicht doch nicht im Columbus…
2. Juli 2010
Hier ein interessanter Artikel zu o.g. Thema:
http://www.aktion-deutschland-hilft.de/adh_artikel_14/gastkommentare_399/2010_07_01_freiwilliges_engagement_in_der_humanitaeren_hilfe_10576.php
Ergaenzend koennte man noch fragen, fuer wieviele Monate man einer einheimischen Kraft von den, fuer Freiwillige aus Europa anfallenden, Reise-, Unterbringungs- und Versicherungskosten Arbeit geben koennte? Arbeit, die eine (Gross-)Familie ernaehrt und die den Menschen vor Ort Gelegenheit gibt, sich zu qualifizieren und Erfahrungen zu sammeln und Fertigkeiten zu erlernen, die sowohl dem Einzelnen zugute kommen als auch langfristig der betroffenen Gesellschaft helfen koennen, da diese Mitarbeiter dann auch vor Ort bleiben.
Es spricht ja nichts dagegen auch junge und unerfahrene Menschen in einen Auslandseinsatz zu schicken, nur sollten sie ueber Qualifikationen oder Erfahrungen verfuegen, die vor Ort nicht oder nur schwer zu finden sind. Junge Leute zum Bau einer Schule nach Afrika zu schicken mag ein interessanter Abenteuerurlaub fuer die Jugendlichen sein – mit humanitaerer Hilfe oder gar Entwicklungshife hat es aber nichts zu tun.
2. Juli 2010
Deutschland wird Weltmeister!
Warum?
Brasilien war 1962 + 2002 Weltmeister. Zählt man die Zahlen zusammen ergibt das 3964,
Brasilien war aber auch 1970 + 1994 Weltmeister. Zählt man die Zahlen zusammen ergibt das ebenfalls 3964.
1978 + 1986 war Argentinien Weltmeister. Zählt man die Zahlen zusammen ergibt das 3964.
Und Deutschland war 1974 + 1990 Weltmeister. Zusammen ergibt das 3964.
Will man also wissen wer in diesem Jahr Weltmeister wird, muss man nur 3964 – 2010 rechnen. Ergebnis: 1954
Wer war 1954 Weltmeister???
Genau!
(geklaut von Dr. Norbert Lehmann)
16. Juni 2010
Heute brachte mir mein Fahrer ein Tankquittung… von der „Tankstelle zur unbefleckten Empfaengnis“ (Station de l’immaculee conception).
Nun frage ich mich, ob er den Zapfhahn trotzdem eingefuehrt hat oder ob der Sprit via heiligen Geist in den Tank gekommen ist…
13. Juni 2010
Da mich meine PR-Abteilung gebeten hat, etwas fuer ihre Webseite zu schreiben, habe ich mir mal erlaubt, den Text (mit ein paar zusaetzlichen, nicht immer ganz enst gemeinten Anmerkungen) auch fuer meinen privaten Blog zu verramschen. Hier also, was mir bisher so zu Haiti eingefallen ist:
Den ersten Eindruck der verheerenden Auswirkungen des Erdbebens vom 12. Januar bekommt man schon beim Anflug auf Port-au-Prince, die Hauptstadt von Haiti. Aus der Luft bietet sich ein Anblick von Truemmern, Plastikplanen und Zelten. Noch immer lebt ein Grossteil der Menschen in diesen Zelten oder in selbst zusammengebauten Provisorien aus Planen und Wellblech, die in Lagern, in Hinterhoefen, auf Nebenstrassen und selbst auf dem Mittelstreifen der Hauptstrasse aufgebaut sind. Ihre Haeuser sind zerstoert oder beschaedigt und selbst diejenigen, die noch intakte Haeuser haben, ziehen es aus Angst vor weiteren Beben oft vor, nicht in den festen Haeusern zu schlafen, die bei dem Beben zu Todesfallen fuer so viele Haitianer geworden sind.
Gleich nach der Ankunft geht es weiter Richtung Petit-Goave, wo wir unser Haupquartier haben. Unterwegs kommen wir durch Leogane, einer Stadt die ganz in der Nahe des Epizentrums des Bebens lag und die nun zu 90% zerstoert ist. Auch hier bestimmen eingestuerzte Haeuser und provisorische Unterkuenfte das Bild (und zu allem Ueberfluss war dann auch noch Dirk Niebel vor zwei Wochen auf Staatsbesuch da), doch dazwischen herrscht rege Geschaeftigkeit und die Menschen versuchen wieder so etwas wie Normalitaet in ihren Alltag zu bringen. Unter Planen und Wellblech finden sich Geschaefte, Bars und Friseure und zwischen den Truemmern bieten Marktfrauen Mangos, Zwiebeln und Bananen feil.
Schliesslich, Ankunft in Petit-Goave. Die kleine, ca. 20.000 Einwohner zaehlende Stadt liegt am Meer und wird von unzaehligen Mangobaeumen und Kokospalmen beschattet (Kokosnuesse fallen uebrigens viel seltener vom Baum, als allgemein angenommen. Wirklich gefaehrlich sind die Mangos!). Auch hier hat das Beben erhebliche Schaeden verursacht, grosse Teile der Stadt liegen in Truemmern, die Strom- und Trinkwasserversorgung ist stark eingeschraenkt. Doch im Unterschied zu Port-au-Prince, wo hunderte von Hilfsorganisationen aktiv sind, oder Leogane, wo es immer noch mehrere Dutzend sind, ist die Zahl der internationalen Helfer hier recht ueberschaubar. Auch deshalb haben wir beschlossen, uns hier niederzulassen und in der Region aktiv zu werden (und natuerlich wegen der huebschen Straende ganz in der Naehe).
Meine erste Woche hier verbringe ich im Hotelzimmer, das gleichzeitig als Buero dient. Inzwischen haben wir ein Haus gefunden, dass wir uns mit mehreren Partnerorganisationen teilen. Vier NGOs unter einem Dach. Die Stimmung ist gut und man hilft sich gegenseitig mit guten Tipps (wo gibt’s denn hier kaltes Bier?), Material (haste mal nen Flaschenoeffner?) und auch tatkraeftiger Unterstuetzung (kannste mal bei den Kisten mit anfassen?).
Jetzt geht es an die Planung und Umsetzung unserer Hilfsprojekte. Zunaechst wollen wir Uebergangshaeuser fuer vom Erdbeben betroffene Familien bauen. Die geplanten Haeuser haben ca. 18qm und sind aus Holz gebaut. Sie sind erdbeben- und sturmfest und werden eine Lebensdauer von mindestens drei Jahren haben. Diese Zeit braucht es auch,denn der Wiederaufbau der tausenden von zerstoerten Hausern wird einige Jahre in Anspruch nehmen. Doch auch der Bau der Uebergangshaeuser wird nicht so schnell gehen, wie wir und natuerlich insbesondere die betroffenen Haitianer sich das wuenschen. Derzeit gehen Teams in der Stadt von Haus zu Haus um festzustellen, wie stark die Haeuser beschadigt sind, wem das Bauland gehoert und wie gross die einzelnen Familien sind. Wenn diese Daten erhoben sind, wird es darum gehen die Bauaktivitaeten zwischen den Hilfsorganisationen zu koordinieren (was insbesondere mit den US-amerikanischen Kollegen nicht immer einfach ist, die mit Millionenbudgets einfallen und sich um andere Organisationen und Koordinierung wenig scheren). Gleichzeitig muss Material beschafft und bearbeitet werden und einheimische Handwerker muessen geschult werden. Material, insbesondere Holz, ist knapp in Haiti und muss oft aus dem Ausland importiert werden, was viel Zeit kosten wird. Auch qualifizierte Arbeitskraefte sind bei der intensiven Bautaetigkeit ueberall schwer zu finden. Eigentumsfragen muessen geklaert und Baugenehmigungen eingeholt werden. Schliesslich wird auch der eigentlich Bau noch einige Zeit in Anspruch nehmen, denn auch wenn die Haeuser so konzipiert sind, dass sie schnell fertigzustellen sind, wird sich der Bau von hunderten oder gar tausenden doch ueber einige Monate hinziehen.
Dies den Menschen zu erklaeren, die in Zelten und Provisorien aus Plastikplanen leben ist nicht immer einfach. Insbesondere, da sich deren Situation zunehmend verschlechtert. Zu der einsetzenden Regenzeit, zu der auch regelmaessig Hurricanes ueber das Land ziehen, kommt erschwerend hinzu, dass die meisten Zelte nach drei Monaten den tropischen Klimaverhaeltnissen mit Regen und starker Sonneneinstrahlung Tribut zollen mussten und nun oft nicht mehr dicht sind. Und wer in einem ueberfluteten Zelt sitzt, will verstaendlicherweise von Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung oder rechtlichen Problemen nichts hoeren. Der will sich und seine Kinder ins Trockene bringen.
Wir arbeiten daran…